Gedenkstättenfahrt nach Krakau und Auschwitz
In diesem Jahr konnten wir erneut mit einer kleinen Gruppe von Schülerinnen und Schüler an der überschulischen Gedenkstättenfahrt der Torhorst-Gesamtschule, des Mendheim-OSZ und des Runge-Gymnasiums teilnehmen. Zusammenfassend sei an dieser Stelle gesagt, dass es eine Woche voller Eindrücke war, wie es sich für eine solche Fahrt gehört: Viel Input, viel Geschichte – wenig Freizeit: Eine Gedenkstättenfahrt im besten Sinne.
Montag: Mit dem Bus ging es am 2.3.2026 in Richtung Krakau. Ein kurzer Zwischenstopp mit informativer Begleitung der Torhorstschüler zeigte uns den für die deutsch-polnische Erinnerung wichtigen Ort Gliwice, mit dem durch den Überfall auf den Sender Gleiwitz der Zweite Weltkrieg durch die Deutschen begann. Vielen Dank für das Input!
Nach dem kurzen Zwischenstopp ging es weiter nach Krakau, abends angekommen, wurden wir am Buffet mit vielfältigen warmen Speisen willkommen geheißen. Die Zimmeraufteilung ging flott und dann war noch eine kurze Gelegenheit, um in die Stadt hineinzuschnuppern und pünktlich wieder auf den Zimmern zu sein.
Dienstag: Nach dem Frühstück am nächsten Morgen war für uns eine Stadtführung organisiert; der Schwerpunkt war hier die Geschichte des Ortes Krakau als Ort vielfältigen jüdischen Lebens mit zahlreichen Synagogen vor der Besetzung durch die Deutschen und dann als Ort der Isolierung, Vertreibung und Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung. Außerdem ging es um die Spielorte des Films „Schindlers Liste“. Eindrucksvolles Denkmal ist der Platz der Ghetto-Helden (Plac Bohaterów Getta). Am Nachmittag stand die Besichtigung von Auschwitz I/Stammlager auf dem Plan. Es ist der Ort, an dem die polnische Bevölkerung und Überlebende entschieden haben, die Überreste des Konzentrationslagers Auschwitz in seiner Grauenhaftigkeit zu zeigen. Der Rundgang war eindrucksvoll und für viele von uns vielleicht nur ein Auftakt, sich dieser Aufgabe ein weiteres Mal anzunehmen. So viele Exponate, so viel zu entdecken und jeder von uns war durch anderes berührt. Während der Tag sich dem Abend zuneigte, wurde es dunkel, kalt und auch etwas unheimlich. Wir waren die letzten, die die Gedenkstätte verlassen haben.
Mittwoch: Frühstück, Abfahrt zum Lager Plaszow, ein Konzentrationslager in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums, Hintergrund des Spielfilms „Schindlers Liste“; ein Ort, der eindrucksvoll zeigt, was passiert, wenn ein Erinnerungsort nicht sofort Gedenkort wird. Das realsozialistische Denkmal aus der Nachkriegszeit zeigt nur wenig, was das für ein Ort gewesen ist. Es gibt bislang nur einige Hinweise auf den Schautafeln (ein Begegnungszentrum ist im Bau) und wenige Überreste, die zeigen können, was an dem Ort passiert ist: Dieses Lager hat Schindler mit Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter versorgt bzw. Häftlinge dieses Lagers kamen auf seine berühmte Liste zur Rettung. Nach einem Mittagessen fuhren wir am Nachmittag erneut nach Auschwitz, diesmal ins Lager II/Birkenau. Dies war der Ort der unfassbaren Massenvernichtung europäischer Juden. Überrascht hat uns die Weitläufigkeit des Geländes, weil sich allmählich eine ungefähre Vorstellung entwickeln konnte, welche Dimension das Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das sich mit dem Namen Auschwitz verbindet, hatte. Die letzten Minuten in diesem Lager haben wir wieder im Dunkeln und in Kälte verbracht – ob das Geschehnisse eindrucksvoller machte? In meinem Empfinden schon.
Donnerstag: Wir waren vorbereitet auf das Gespräch mit der Zeitzeugin. Die letzte Überlebende, die mit Hilfe der Liste von Oskar Schindler dem Tod entronnen ist: Niusia Horowitz. Wir hatten sie schon einmal auf einem Foto auf dem Stadtrundgang an der Schindler-Fabrik gesehen. Doch nun saß sie vor uns: Klein, natürlich alt, trotzdem wach und freundlich. Während der erzählten Erinnerungen hatte sie oft die Augen geschlossen, als würde sie sich erneut erinnern. Ihre Erzählungen wurden übersetzt, so dass wir die Erinnerungsfragmente verstehen konnten. Am Ende des Gespräches bleibt v.a. die Ehrfurcht, dass man nach all dem Erlebten und Überlebten, die Kraft hatte, weiterzuleben. Das haben auch die Schülerinnen und Schüler so empfunden, denke ich. Der Rest des Tages war frei: man konnte durch die Stadt bummeln, Spezialitäten oder Standardessen genießen, Andenken an Krakau shoppen und die belebte, sonnenbeschienene Stadt genießen oder eine Banksy-Ausstellung genießen. Am Abend waren wir im Klezmer-Hois verabredet, um jüdische Küche auszuprobieren. Am nächsten Tag reisten wir schon wieder nach Hause Weil alles hervorragend funktioniert hat, möchte ich im Namen aller Mitfahrenden des Louise-Henriette-Gymnasiums allen Beteiligten sowie Organisatorinnen und Organisatoren als auch den zahlreichen Helfenden vor Ort danken, die uns diese Fahrt ermöglicht haben. Danke auch an die beiden Lehramtskandidat/innen, die die Reflexionsphasen mit uns durchgeführt haben. Wir sind nach dieser einen vollen Woche zurückgekehrt mit Köpfen voller Gedanken, vielen Erinnerungsmomenten und vielen – auch emotionalen Eindrücken, die mit Sicherheit für uns nie mehr vergessen sein werden. Denn nicht vergessen, bedeutet erinnern!



