Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Eltern,
liebe Lehrkräfte,
liebe Schulleitung,
Zeitzeugengespräche sind an unserer Schule ein wichtiger Bestandteil des Geschichtsunterrichts und der Auseinandersetzung mit unserer Historie. Sie helfen uns, aus persönlichen Erfahrungen ein tieferes Verständnis für die Komplexität unserer Vergangenheit zu entwickeln. Der Besuch von Peter-Michael Diestel am 25.03.2026 hat uns jedoch vor die Frage gestellt, wie wir als Schulgemeinschaft damit umgehen, wenn der angemessene Rahmen eines solchen Austauschs verlassen wird.
Während der Veranstaltung wurden Vergleiche zwischen der aktuellen Situation russischer Mitbürger und der systematischen Ausgrenzung und Verfolgung von Juden im Nationalsozialismus gezogen.
Pluralismus, wie er am Louise-Henriette-Gymnasium gelehrt und gelebt wird, bedeutet für uns, über politische Meinungen und Standpunkte hart zu streiten. Er bedeutet jedoch nicht, die Shoah durch unangemessene Vergleiche zu instrumentalisieren und die Politik einzelner Parteien dadurch zu bewerben bzw. zu verurteilen.
Eine weitere Eigenschaft, die uns als LHG auszeichnet, ist die Form des Miteinanders. In einer Diskussion bat eine Schülerin darum, nicht mit „Fräulein“ angesprochen zu werden. Herrn Diestels Reaktion darauf, man könne jede Frau Fräulein oder Weib nennen, wenn man das wolle, verurteilen wir.
Wir verstehen unsere Schule als einen Ort, an dem die persönliche Integrität jedes Einzelnen geachtet wird. Jemanden gegen seinen ausdrücklichen Wunsch auf diese Weise herabwürdigend zu bezeichnen, ist in unseren Augen ein Bruch des respektvollen Dialogs. Wir verteidigen das Recht jeder Schülerin und jedes Schülers, in einer Debatte auf Augenhöhe behandelt zu werden. Toleranz steht an unserer Schule im Mittelpunkt und wird als Voraussetzung für eine funktionierende Schulgemeinschaft angesehen.
Auch Aussagen wie „Guck weniger ZDF und ARD“ betrachten wir als unsachlich, sowie der Debatte nicht dienlich und verurteilen sie daher.
Wir als Schülerschaft stehen fest zu den Werten des Pluralismus und der freien Meinungsäußerung. Gerade deshalb ist es uns wichtig zu betonen: Ein Gespräch ist nur dann wertvoll, wenn es von Empathie und gegenseitigem Respekt geprägt ist.
Wir sind dankbar für den Aufwand, der von Lehrkräften wie Herrn Reinhardt betrieben wird, um wertvolle Zeitzeugengespräche wie das mit Herrn Dr. Ilko-Sascha Kuwalczuk oder Herrn Dr. Gregor Gysi zu ermöglichen und hoffen, dass wir auch in Zukunft die Ehre haben werden, Gäste an unserer Schule begrüßen zu dürfen, die unsere Debattenkultur wertschätzen und respektieren und sich auf diese Weise in den demokratischen Austausch mit uns begeben.
Mit freundlichen Grüßen
die Schülervertretung des Louise-Henriette-Gymnasiums



