Andere Länder, andere Sitten? Dies ist auch uns, Schülerinnen der 8/9. klasse am Louise-Henriette-Gymnasium in Oranienburg, aufgefallen. Am 9.November 2008 traten wir gemeinsam mit Schülerinnen der 8. Klasse sowie zwei Russischlehrerinnen unsere Reise nach Russland an. Wir trafen uns am Bahnhof Oranienburg, um von dort aus mit der Regionalbahn zum Gesundbrunnen zu fahren. Bereits da wurden wir schon von einem “Stück Russland” empfangen - auf uns wartete ein russischer Zug mit Schlafwagons, der definitiv gewöhnungsbedürftig war. Kleine Abteile, ausklappbare Betten - anders als erwartet.
Doch die Skepsis legte sich bereits nach kurzer Zeit - die Vorfreude sowie Aufregung eine andere Kultur kennen zu lernen begann. Es vergingen 16 Stunden Zugfahrt, quer durch Polen. Bis wir endlich “russische Luft schnupperten”. Ein russischer Schulbus wurde geschickt, um unsere kleine Gruppe, bestehend aus 12 Schülerinnen und den beiden Lehrerinnen Frau Sabrowske und Frau Stein, abzuholen. Am späten Nachmittag, erschöpft und müde, kamen wir an der Schule in Snamensk an. die russischen Schüler empfingen uns auf dem großen Schulhof. Die Gefühle waren gemischt, genauso wie die Gesichter der Snamensk-Schüler. Wir wurden unseren Gastfamilien, die wir zuvor bereits durch Briefkontakt kennen lernen konnten, zugeteilt. Sogleich wurden alle einzeln abgeholt und in ihr “Gastzuhause” gebracht, um die Koffer auszupacken, sich auszuruhen und später wieder in der Schule zu treffen.
Hier wurden wir durch das ältere Gebäude geführt, uns wurden die Räume gezeigt und die Geschichte erklärt - auch haben wir das kleine Museum, welches ein Raum in der Schule war, besichtigt.
Nach dem kleinen Beisammensein mit Essen und Trinken bekamen wir die Möglichkeit mit der “Snamensk-Clique”, bestehend aus unseren “Gastgeschwistern” und anderen Jugendlichen des Dorfes, den Abend ausklingen zulassen. Obwohl wir uns zuvor die wildesten Dinge vorgestellt hatten, ging es da doch nicht viel anders vor als bei uns. Es dauerte nicht lange und wir kamen ins Gespräch mit den anderen - den Verständigungsproblemen zum Trotz. Wir unterhielten uns in einer Mischung aus Englisch, Russisch, Deutsch und “Rumgefuchtel” mit den Händen. Es war ein wundervoller erster Abend.
Die nächsten Tage verbrachten wir vormittags meist mit Stadtwanderungen oder Museumsbesuchen. Dabei lernten wir die russische Geschichte sowie die schönen Orte Königsberg (Kaliningrad) und Tilsit (Sowjetsk) kennen.
Die Nachmittage verbrachten wir in der Schule in Snamensk mit Projektarbeit, Beisammensein am gedeckten Tisch oder Volleyball. Ein Hauptthema der Projektarbeit war “Toleranz” und die Tatsache, dass wir trotz verschiedener Nationen doch alle gleich sind.
Am Freitag, dem letzten Tag, den wir alle gemeinsam miteinander verbrachten, fand eine Abschiedsdisko statt, auf der auch deutsche Lieder gespielt wurden die wir den Russen geschickt hatten. Schon nach kurzer Zeit konnten selbst sie beim Refrain fast fehlerfrei mitsingen, und beim Tanzen sind selbst die eher Schüchternen aufgeblüht und haben mitgemacht.
Alles in allem hat sich die Reise in das fremde Land doch gelohnt, denn obwohl wir das vorher nicht hätten ahnen können, haben uns die russischen Menschen doch mehr beigebracht als wir dachten - wir erlebten Gastfreundlichkeit, Offenherzigkeit und liebevollen Umgang mit Mitmenschen, denn obwohl wir neu und “anders” waren, wurden wir mit offenen Armen empfangen und akzeptiert, überall mit einbezogen und waren Teil ihrer Gruppe.
Jetzt da wir wieder “daheim” sind, fehlt doch irgendwo etwas, und wir wissen, dass wir in dem fremden Land neue Freunde gefunden haben. Und wie die Russen schon in ihrem Projekt geschrieben hatten: “Selbst der Wind kann unsere Freundschaft nicht zerstören!”. Nun freuen wir uns alle gemeinsam auf den nächsten Sommer, wenn unsere russischen Freunde uns besuchen kommen und ihre Woche in Deutschland in unserem zuhause verbringen. Wir drücken alle Daumen, dass alles so von statten gehen kann wie wir es uns wünschen, und dass der neu geknüpfte Kontakt niemals abbricht.
Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, dem 08.07.2009 um 13:53 Uhr von FB Biologie unter Russland eingestellt.