Abschlussbericht zum Schüleraustausch mit der Mittelschule Snamensk 2007

Inzwischen lag das erste Kennenlernen einiger Lehrer, Schüler und auch der Direktorin der Mittelschule Snamensk (Kaliningrader Gebiet) ein Jahr zurück. Damals war das Treffen auf die Initiative der Familie Kenzler (s. Bericht Generationenseminar, Juli 2006) zurückzuführen. Sie war es auch wiederrum, die bei Problemen mit der russischen Schule oder den russischen Behörden immer mit Rat und Tat zur Stelle war. So konnte unser Vorhaben, eine projektorientierte Begegnung durchzuführen, immer mehr Gestalt annehmen. Gemeinsam mit der Deutschlehrerin der Snamensker Schule, Frau Stekanowa, beschlossen wir, die Geschichte und den Alltag unserer beiden Schulen auszuleuchten: Wie war Schule damals; wie entstanden beide Schulen; wie wird heute das Schulleben gestaltet? Da die Mittelschule Snamensk gerade ein Jubiläum begangen hatte, war auch genügend Material vorhanden, das mitgebracht werden sollte.
Doch die Filiale des drja (Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch) in Moskau gab den russischen Kollegen nur lakonisch die Auskunft, dass kein Geld da wäre… Zudem verstarb die an der russischen Schule verantwortliche Deutschlehrerin zu unserer großen Bestürzung plötzlich Anfang August. Eine weitere teilnehmende Lehrerin verließ die Schule. Die sie vertretenden Lehrerinnen konnten sich also nicht in der erwarteten Weise auf unser Projekt vorbereiten (sprich: Material über die Schule und das Leben der Jugendlichen in Snamensk mitbringen).
Außerem stiegen am 9. September 5 Schüler weniger aus dem Zug aus Kaliningrad als erwartet (Visaprobleme). Wir versuchten natürlich, das Beste aus der Situation zu machen. Die Jugendlichen im Alter von 13-18 Jahren waren überwältigt von den vielen Dingen, die sie bei uns besichtigten und erlebten. Sowohl die deutschen als auch die russischen Schüler ärgerten sich, nicht besser Vokabeln gelernt zu haben. So waren das Wörterbuch und die glücklichen Lehrerinnen in diesen Tagen sehr wichtig. Die Projektidee, der Vergleich des Lebens Jugendlicher in Russland und Deutschland konnte meiner Befürchtung nach jedoch nicht verwirklicht werden.
Die große Begeisterung und Dankbarkeit der russischen SchülerInnen stand meines Erachtens der kritischen Projektarbeit ein wenig entgegen. Was gefällt mir am Louise-Henriette-Gymnasium oder an meiner Schule? Was würde ich verändern wollen? Diese und ähnliche Gedanken kämen bei unseren russischen Gästen einer groben Beleidigung gleich. Vielfältige Exkursionen und Veranstaltungen wechselten sich ab, so dass wir nur wenig Zeit zu ausgiebiger Projektarbeit hatten.

So entschlossen wir uns, unsere Begegnung zu dokumentieren und daraus Schlussfolgerungen für die nächste Begegnung zu ziehen. Fleißig arbeiteten alle an kleinen Artikeln für die Schulwandzeitung, die Dokumentation und wählten Fotos aus, die dann entwickelt und vervielfältigt wurden. Mit einem Oranienburger T-Shirt, ein paar Oranienburger Süßigkeiten und vielen (!) Tränen stiegen unsere Snamensker Gäste dann am Sonntagabend in den Zug. Viele Adressen wurden aufgeschrieben; Pläne für zukünftige Begegnungen gemacht. Wenn nur nicht die russische Bürokratie dazwischenstände! Unsere Abiturienten würden nach ihren bestandenen Prüfungen sofort auch privat nach Snamensk fahren.
Die Finanzierung der verschiedenen Veranstaltungen erfolgte letztendlich doch anders als geplant. Sponsoring des Mittagessens und kostenloser Eintritt ins Museum ermöglichte uns eine Umverteilung des Geldes, bei der wir auf Ihr Verständnis hoffen.

Unsere nächste Begnung wird erst nächstes Schuljahr in Snamensk stattfinden. Wir haben aber schon Überlegungen angestellt, wie wir unser jetziges Projektthema vertiefen könnten (Einbeziehung der Geschichtslehrer unserer Schule) und wie das Problem der Unterkunft (Gästehaus in Snamensk) gelöst werden könnte.
Wie man dem Artikel unsreres Generalanzeigers entnehmen kann, werden wir den Kampf um die russische Sprache gerade hier in Brandenburg nicht aufgeben. Ein Kollege bemerkte dazu treffend, dass gerade der Austausch mit Osteuropa (z.B. auch Polen) zur Entwicklung der sozialen Reife beitrage, im Gegensatz zu „prestigeträchtigen“ Schülerfahrten z.B. in die USA. Hier zeige sich, ob Jugendliche wirklich über Aufgeschlossenheit und Toleranz verfügten. Diesen Gedanken möchte ich mich unbedingt anschließen.

T. Stein